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2017: Sonntagsschüsse - Fußballfieber in der Kreisklasse

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Ein fränkischer Bier−Thriller
von Jonas Philipps und Tom Davids

Die beiden Polizisten parkten ihren Wagen und schlenderten erwartungsvoll durch die Sandstraße. Es war ein lauer Frühlingstag, und sie hatten einen langen, langweiligen Tag hinter sich.
"Auf mein Feierabendbier habe ich mich fei schon den ganzen Tag gefreut", rief Alois mit glänzenden Augen. Er war ein großgewachsener, gemütlicher Mann Anfang 50 und ließ sein Ziel keine Sekunde aus den Augen, sobald das Schild mit dem Wappen des Schlenkerla am Horizont sichtbar war.
"Recht hast du", knurrte Franz durstig. Der rotbäckige, rundliche Polizist, dessen Uniform zwei Nummern zu klein wirkte, hatte aber so seine Probleme, mit dem zielstrebigen Stechschritt seines fünf Jahre jüngeren Kollegen mitzuhalten. Er schnaufte wie ein Postgaul.
Als sie vor dem traditionsreichen Wirtshaus im Herzen Bambergs angekommen waren, öffnete Alois schwungvoll die Tür. Und brach sich bei dem Versuch beinahe die Nase. Die Tür war fest verschlossen. Verdutzt blickte Alois seinen Partner an.
"Aber... Das Schlenkerla hat außer an Weihnachten und Neujahr niemals geschlossen", stammelte Franz völlig aus dem Häuschen.
Alois versuchte es verzweifelt noch einmal, diesmal mit etwas mehr Schwung. Nichts zu machen. Der Eingang war und blieb geschlossen.
Auf Zehenspitzen lugten die Beiden durch die Fenster. Der ansonsten so belebte Raum war menschenleer.
"Ambräusianum?", schlug Franz schließlich vor.
"Von mir aus", bestätigte Alois achselzuckend, und die beiden Ordnungshüter machten sich auf den Weg.
Aber zu ihrem blanken Entsetzen offenbarte sich bei der Wirtsstube des Ambräusianums das gleiche Bild: gähnende Leere, und eine verschlossene Tür.
"Da geht doch etwas nicht mit rechten Dingen zu", wunderte sich Alois.
"Zwei Brauhäuser am gleichen Tag geschlossen... Das kann kein Zufall sein!", bestätigte Franz. Irgendetwas war im Busch.
"Da stimmt etwas nicht. Wir müssen dem auf den Grund gehen", beschloss Alois.
Rasch schmiedete Franz einen provisorischen Einsatzplan: "Loisl, du übernimmst Spezi und Fässla. Ich schau beim Greifenklau und beim Klosterbräu vorbei. Dann treffen wir uns vor dem Keesmann. Einverstanden?"
"Freilich. Auf geht's!"
Eile war geboten. Franz und Alois waren ernsthaft besorgt.


Eine Stunde später trafen sich die beiden Polizisten vor dem Wirtshaus der Brauerei Keesmann.
"Und?", fragte Franz aufgeregt.
Alois schüttelte angespannt den Kopf. "Nichts. Alle geschlossen. Niente!"
"Bei mir auch. Da stimmt etwas nicht, Loisl."
"Wir müssen sofort die Kollegen alarmieren."
"Nicht so hastig, Loisl. Was sollen wir ihnen denn sagen? Dass wir ein SEK rufen wollen, weil die Bamberger Brauereien geschlossen haben?"
Alois überlegte kurz. "Du hast Recht. Wir müssen der Sache zuerst selbst auf den Grund gehen."
Die beiden Polizisten begannen die Ermittlungen gleich an Ort und Stelle.
"Machen wir Räuberleiter", schlug Alois vor und ging in die Knie, um Franz auf seine gefalteten Hände steigen zu lassen. Alois jammerte und ächzte, während Franz stöhnend durch die Fenster mit den grünen Fensterläden lugte. Nach einem kurzen Blick in die Wirtsstube purzelten sie Beide zu Boden.
"Vielleicht hättest du lieber bei mir aufsteigen sollen", stellte der korpulente Franz bedröppelt fest.
"Egal. Hast du was gesehen?", wollte Alois neugierig wissen.
"Gesehen nur wenig. Aber durch das gekippte Fenster habe ich etwas aufgeschnappt."
"Nun mach es doch nicht so spannend!"
"Das Wort Entführung habe ich gehört. Und bis auf weiteres geschlossen."
"Bist du sicher?"
"Na hör mal. Ich habe die Augen und Ohren eines Luchses", bekräftigte Franz.
Das sah doch ganz nach einem Fall für die beiden Streifenpolizisten aus. Sie hatten Blut geleckt.
"Wir müssen herausfinden, was da vor sich geht!"
Der dicke Franz versuchte händeringend, die Regenrinne hinaufzuklettern, um Zugang zu eventuellen Beweisstücken zu erlangen. Es polterte und klapperte, als er ungelenk auf den Hosenboden fiel. Alois stand währenddessen vor der Eingangstür und fummelte mit dem kleinen Dietrich aus seiner Polizeiausrüstung im Schloss herum. Nichts zu machen!
"Da merkt man erstmal, was die Einbrecher so leisten, die wir Tag für Tag jagen", stellte er ratlos fest.
"Wann hast du denn zum letzten Mal einen Einbrecher gejagt?", fragte Franz verwundert.
"Versuchen wir's beim Mahrs-Bräu", lenkte Alois ab. "Vielleicht haben wir dort mehr Glück."
"Ja, genau. Den Hintereingang sperren sie selbst am Ruhetag nur selten ab."
Und so schlichen sich Alois und Franz wie zwei heimliche Diebe in den Hintereingang des Mahrs-Bräu. Per Handzeichen stimmten sie ab, wer welche der beiden Wirtsstuben übernahm.
"Hast du etwas gefunden?", flüsterte Alois wenige Minuten später.
"Da liegt ein Zettel", wisperte Franz aufgeregt.
Hastig überflogen die beiden Polizisten den Zettel.
"Euer Wirt wurde heute von uns entführt. Wenn ihr ihn wohlbehalten wiedersehen wollt, schließt ihr mit sofortiger Wirkung euer Wirtshaus auf unbestimmte Zeit. Weitere Instruktionen folgen."
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Alois seinen Partner an. Sie hatten eine heiße Spur entdeckt.
"Meinst du wirklich, dass alle acht Bamberger Wirte entführt wurden?", fasste Alois zusammen und kratzte sich nachdenklich am Kopf, als sie wieder vor dem Mahrs-Bräu auf der Straße standen. "Da ist doch eine Verschwörung von höchstem Ausmaß im Gange!"
"Vielleicht ein Terroranschlag?"
"Aber was wollen die Terroristen damit bezwecken?"
"Hm, überlegen wir doch mal. Was kann man einem Bamberger schlimmeres antun, als alle Bierquellen versiegen zu lassen? Es wird eine Revolte geben, einen Aufstand der Bevölkerung. Wir müssen das verhindern, Loisl!"
"Sollen wir Verstärkung rufen? Das BKA? Den BND?" Alois Gedanken überschlugen sich.
Gedankenverloren beobachteten die beiden unterhopften Polizisten eine Gruppe Jugendlicher, die mit ihren Bierdosen in der Hand um die Häuser zogen.
"So weit kommt es noch. Jetzt trinken sie schon Dosenbier. Und auch noch dieses Budweiser. Am Maxplatz gibt es heute nichts anderes."
"Vor dem Greifenklau haben sie das auch getrunken, Alois", erinnerte sich Franz nachdenklich.
Während Alois mutlos mit den Achseln zuckte, kam Franz ein jäher Gedanke.
"Ist es nicht ein seltsamer Zufall, dass die ganze Stadt mit Budweiser-Dosen überschwemmt wird, während alle acht Bamberger Brauereien geschlossen sind?"
"Aber wieso gerade Budweiser?"
"Das ist die Gretchen-Frage, Loisl. Das müssen wir herausfinden. Wo würdest du denn acht Wirte verstecken?", überlegte Franz.
"In meinem Keller. Dann können sie mir mein eigenes Bier brauen", träumte Alois grinsend.
Franz gab seinem Partner mit einem humorlosen Schnauben zu verstehen, dass er eine sinnvolle Antwort erwartete.
"Dort, wo sie keiner findet", murmelte Alois schließlich.
"Genau, aber wo?"
"Das kann man überall machen. In einem Bierkeller, irgendwo in der Stadt, ..."
"Aber du musst unbemerkt acht Wirte dort einsperren. In der Stadt sieht dich doch sicher jemand."
"Dann fahre ich sie mit einem Transporter irgendwohin außerhalb von Bamberg."
"In ein leer stehendes Gebäude."
"Irgendwohin, wo kein Verkehr und keine Menschen sind."
Franz blickte Alois an, als hätte ihn der Schlag getroffen. "Amerikanisches Bier... Leer stehende amerikanische Kasernen... Das ist es!"
"Aber warum sollte ein Amerikaner..."
"Vielleicht wollen die Besitzer von Budweiser das fränkische Biergeschäft übernehmen. Was weiß denn ich. Wir müssen das überprüfen!"
"Wollen wir jetzt ein SEK anfordern? Ich wollte schon immer mal zusehen, wie die einen Haufen Geiseln befreien."
"Das wird uns fei niemand glauben. Wir sind auf uns allein gestellt, Loisl. Wenn wir es nicht schaffen, werden 70.000 Bamberger verdursten."
Alois nickte ehrfürchtig. Sie hatten eine große Verantwortung. Bis in die Haarspitzen motiviert, rannten die beiden Polizisten zu ihrem Streifenwagen. Dann düsten sie los. Mit Blaulicht, wie es sich bei einem waschechten Entführungsfall gehörte.


Vorsichtig lugten sie über die Zäune der einstigen Kaserne. "Das ist der einzige US-Militär-Bau, der noch komplett leer steht. Hier muss es sein!"
Wie die Indianer schlichen sie um das Gebäude herum und entdeckten tatsächlich einen silbernen Lieferwagen.
"Was ist das?", fragte Alois angespannt.
"Ein Catering-Service wird es nicht sein", erwiderte Franz trocken.
Die Tür war nur angelehnt. Auf Zehenspitzen schlüpften die beiden Streifenpolizisten in das Gebäude. Am Ende eines langen Ganges konnten sie leise Stimmen hören. Mit einem Kopfnicken gab Franz seinem Partner zu verstehen, dass er dem anderen Flur folgen sollte. Alois blickte ihn verständnislos an.
"Wir müssen sie umzingeln", flüsterte Franz. "Ich komm von vorn, und du schleichst dich von hinten an."
Alois nickte. Dann marschierte er los.
Geräuschlos pirschte sich Franz Meter für Meter an die immer lauter werdenden Stimmen heran.
"Wir haben Durst!", schimpfte ein Mann mit tiefer, rauer Stimme. Der geübte Wirtshauskenner Franz erkannte den Wirt des Kaiserdom, der kürzlich das altehrwürdige Klosterbräu gekauft hatte, sofort. Das Herz hämmerte in seiner Brust. Sie hatten also tatsächlich Recht gehabt!
"Hier habt ihr etwas zu trinken", antwortete eine genervte Stimme mit starkem amerikanischem Akzent.
Franz lugte vorsichtig um die Ecke und sah gerade noch, wie eine Bierdose auf die acht gefesselten Wirte zurollte.
"Das trinke ich nicht!", protestierte der Wirt des Greifenklau mit angewidertem Blick auf die Dose Budweiser und kickte sie entrüstet mit dem Fuß zur Seite.
"Wollen Sie uns vergiften?", fuhr der Spezi-Wirt den Kidnapper furchtlos an.
"Das ist doch kein Bier, das ist eine Krankheit!", stimmte der Braumeister des Mahrs-Bräu in die wütenden Proteste ein.
"Lieber verdurste ich!"
"Das ist Folter!"
"Gewöhnt euch dran. Bald wird es in Bamberg nichts anderes mehr geben."
Fassungslos starrten die acht Wirte ihren Peiniger an. "Nur über unsere Leichen!", schimpfte der Wirt des Schlenkerla tapfer.
"Das könnt ihr haben", entgegnete der amerikanische Entführer leichthin und fuchtelte drohend mit seiner Pistole herum. Die Wirte verstummten. Franz schluckte.
"Was soll denn dieser ganze Blödsinn mit dem Budweiser eigentlich?", fragte der Keesmann-Wirt neugierig.
"Habt ihr es noch immer nicht begriffen?", wunderte sich der Entführer kopfschüttelnd. "America first! Donald will Amerika wieder groß machen. Die USA soll in jeder Branche die führende Wirtschaftsmacht werden. Das ist Donalds geheimer Plan."
In seinem Versteck musste Franz feststellen, dass die Wirte immer wieder verstohlen zur Seite blickten. War etwa Alois ins Blickfeld gerückt? Versuchten sie deshalb, den Amerikaner in ein Gespräch zu verwickeln? Wollten sie ihn ablenken? Franz Nerven waren zum Zerreißen gespannt.
"Aber was hat das mit uns zu tun?"
"Bamberg, die Weltstadt des Bieres. Wo könnte man auf dem Weltmarkt besser Fuß fassen, als hier im Herzen Frankens? Wir werden die höchste Brauereidichte der Welt zerschlagen und durch Budweiser ersetzen!"
Worauf wartest du, Alois, fragte sich Franz aufgeregt.
"Hier in Bamberg brauen wir schon seit dem Jahr 1122 Bier. Ihr Amerikaner glaubt doch nicht im Ernst, dass ihr uns dieses Gesöff vorsetzen könnt!"
Plötzlich hörte Franz einen lauten Knall. Alois kam in den Raum geflogen und landete auf allen Vieren zu den Füßen des verdutzten Entführers. Alois Pistole flog ihm aus der Hand und schlitterte wirkungslos in die Ecke. Der Kidnapper hob eine Augenbraue und blickte den hilflosen Streifenpolizisten amüsiert an: "Kläglicher Rettungsversuch der trotteligen Provinzpolizei?" Gelassen trat er auf den wie ein Käfer auf dem Rücken liegenden Alois zu und hielt ihm die Pistole vor die Nase. "Das war wohl nichts, oder?"
Die nackte Angst hatte von Franz Besitz ergriffen. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Wieso nur hatten sie ihre Funkgeräte im Auto gelassen? Geistesabwesend tastete er nach seiner Waffe. Verdammt! Er hatte sie zum Dienstschluss in das Handschuhfach seines Autos gelegt. Warum hatte er sie nicht mitgenommen? Idiot, schalt er sich selbst. Hilflos musste er mit ansehen, wie Alois wie ein begossener Pudel zu den Wirten stapfte und ebenfalls vom Kidnapper gefesselt wurde. Ich muss etwas unternehmen, dachte Franz. Da fiel sein Blick auf die Bierdose, die der Greifenklau-Wirt entrüstet davongekickt hatte. Der Entführer war noch immer mit Alois beschäftigt und hatte Franz den Rücken zugewandt. Das war seine Chance! Vorsichtig bückte er sich nach der Dose und hob sie auf. Ein kurzer Blick. Dann schleuderte er die Dose davon. Mit pochendem Herzen verfolgte er die Flugbahn der prall gefüllten Bierbüchse. Volltreffer! Der Kidnapper sank benommen zu Boden.


Als schließlich die Kollegen eintrafen, lag Trumps CIA-Agent bereits verschnürt wie ein Paket des Weihnachtsmanns auf dem Boden und verfluchte Franz und Alois.
"Seid ihr wahnsinnig? Warum habt ihr keine Verstärkung gerufen?", polterte der erleichterte Polizeichef. "Das war fei gefährlich!"
"Chef, wir hatten doch alles im Griff", spielte gerade Alois das Ganze herunter.
"Diese Geschichte hätte uns sowieso keiner geglaubt", fügte Franz hinzu.
Auch der Bamberger Bürgermeister war sofort gekommen, als er von der Entführung der acht Wirte gehört hatte. "Nicht auszudenken, wenn dieser perfide Plan aufgegangen wäre... Da muss ich mir auf jeden Fall eine Belohnung für euch Beide überlegen."
"Nicht nötig", riefen Alois und Franz wie aus einem Munde. Überrascht sahen der Bürgermeister und der Polizeichef die beiden Helden an. "Die Wirte haben uns bereits ein Jahr Freibier in allen acht Brauereien versprochen. Gibt es denn einen schöneren Dank?"

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